Sigrun Lüddecke

Teilen

Teilen

Partner

Wanderung auf dem Nakasendō

Es war eine der zwei Straßen in der „Edo-Zeit“, die die Hauptstadt „Edo“ (Tokio) mit der alten Hauptstadt „Kyoto“ in Japan verbanden. Die alte Bergstrecke war ein alter Handelsweg sowie eine Poststraße, die durch herrlich ländliche Landschaften führte, die man sehr gut entdecken konnte. Besonders der Abschnitt von „Magome“ nach „Tsumago“ ist von Kyoto aus ein wunderschöner Tagesausflug, denn er führt mitten durch die Berge, wo damals schon Händler wie auch Beamte und Provinzfürsten samt Gefolge reisten.

Im 19. Jahrhundert, nach dem Bau der Eisenbahn, kam man auf die Idee, das historische Erbe für den Tourismus zu erhalten, so daß man heute den Eindruck hat, daß hier die Zeit wirklich stehengeblieben oder aber zurückgedreht ist.

Das Dorf und die Poststation Magome.

Es ist unglaublich, aber es gibt hier keine scheußlichen Betonbauten, keine häßlichen Stromleitungen und auch keine grell bunten Ladenschilder, stattdessen wurden die alten  Häuser restauriert, die schmalen Straßen beibehalten und teils wieder mit Natursteinen gepflastert, sogar die alten Ankündigungstafeln mit den Edikten der „Shōgun-Dynastie“ hat man wieder aufgestellt.

Ein Briefträger in „Indigo blauer Uniform“ mit einer hölzernen Tragetasche verteilt echte Post durchs Dorf und alte Bäuerinnen verkaufen Gemüse-Farne und Bambusschößlinge, die sie schon morgens in den Bergen hinter dem Dorf gesammelt haben.

Sonst ist es sehr ruhig im Dorf , bis plötzlich eine chinesische Reisegruppe ankommt und dadurch die Dorfstraße für kurze Zeit zum Leben erweckt wird.

Nun wird es sehr laut, denn die Reisenden werden sehr lebendig und neugierig, Selfies werden gemacht oder aber Reisklößchen mit Walnuss-Sauce gegessen und danach werden Schüsseln aus dem hochwertigem Zedernholz gekauft, für das die Region bekannt ist. Nach ca. 35 Minuten steigen die Chinesen schnell wieder in ihren Bus und es wird ganz ruhig, so daß das Dorf wieder wie zuvor einschlafen kann.

Hinter den letzten Häusern von Magome

beginnt der Wanderweg entlang des historischen Nakasendō über den Paß nach Tsumago. Der Weg ist gut ausgeschildert und die Touristeninformation bietet sogar einen Gepäcktransport sowie „Bärenglocken“. In den letzten Jahren wurden hier öfter mal Bären gesichtet wenn Menschen unterwegs waren, so entschloß man sich, am Weg in regelmäßigen Abständen eine schwere Glocke anzubringen, die die Wanderer dann immer betätigen sollten, so daß die Bären ihnen nicht zu nahe kommen.

Der Wanderweg geht mal durch den Wald, mal über Freiflächen und kleine Reisfelder, vorbei an einem alten Tempel, neben dem früher ein Rasthaus stand. Hier können sich müde Wanderer ausruhen und einen warmen Tee trinken. Dann geht es weiter, vorbei an zwei kleinen Wasserfällen, und die ersten Ausläufer von Tsumago werden erreicht. Man muß noch weiter über einen Bergpaß, das ist aber in ca. zwei bis drei Stunden geschafft, so daß man dann noch Zeit genug hat für eine historische Besichtigung.

Im Ort „Tsumago“ angekommen

erblicken wir eine restaurierte Häuserreihe entlang der ehemaligen Poststraße, in der auch eins der alten VIP-Gästehäuser, das „Waku-Honjin“ steht, das noch erhalten und heute ein Museum ist. Die meisten Häuser wurden in der Mitte des 18. Jahrhunderts entlang des Nakasendō mit Geschäften und Gasthäusern für gewöhnliche Leute sowie Reisende gebaut.

Damals gab es auch sehr strenge politische Regulierungen, dazu gehörte, daß alle Provinzfürsten – die Daimyo – regelmäßig in die Hauptstadt Edo kommen mußten, damit die japanische Zentralregierung sie besser kontrollieren konnte. Sowohl diese Fürsten als auch die hochrangigen Regierungsbeamten, die umgekehrt die Provinzen bereisten, brauchten natürlich standesgemäße Unterkünfte an den Fernwegen, denn man war oft wochenlang unterwegs.

Noch heute kann man im Gästehaus „Waku-Honjin“ erahnen, wie feudal das Leben bis ins 19. Jahrhundert in Japans war, nämlich sehr vornehm.

In beiden Dörfern gibt es heute auch eine ganze Reihe von Privatunterkünften (Minshuku), die über die Touristeninformation (auch englischsprachig) vermittelt werden: in Magome (T) 0264-59-2336, in Tsumago (T) 0264-57-3123, (W) www.town.nagiso.nagano.jp/foreign/en.

Die Nakasendō-Wanderung zwischen den beiden Dörfern Tsumago und Magome ist ca. neun km lang, bei einem maximalen Höhenunterschied von 400 Metern zwischen dem Paß und Tsumago (von Magome aus ist es etwas weniger hoch). Der Fußweg ist ein bequemer und mit gelegentlichen Stufen und Steinpflaster versehen.

Sogar ein Gepäckstück kann für 500 ¥ um die Mittagszeit von einem Dorf ins andere befördert werden, so daß man in Tsumago oder Magome übernachten oder ohne Gepäck wandern und vom jeweils anderen Bahnhof aus weiterreisen kann. Copyright: JNTO

Tipp für die Anreise

Die nächsten Bahnhöfe sind Nakatsugawa (häufige Züge nach Nagoya, ca. 1 Std.) und Nagiso (seltener nach Nakatsugawa oder nach Matsumoto, 2 Std.). Von Nakatsugawa fahren etwa stündlich Busse nach Magome (25 Min.), von Nagiso nach Tsumago (10 Min.) – diese allerdings unregelmäßig und manchmal auch bis Magome. Buspläne für Magome gibt es hier: www.kitaena.co.jp/timetable

Die Anreise von Deutschland nach Nagoya ist 4 mal am Tag mit der Fluglinie ANA möglich (mit Umsteigen in Tokio). Mehr Informationen für Ihre konkrete Reiseplanung können Sie sich auch auf der deutschsprachigen Internetseite Japan Travel Planer (link:)

htps://japan-travel-planner.ana.co.jp/de/plan_search finden.

Letzte Artikel

Zufälliger Artikel

Magazine

BV-2016-01
Bonnes-Vacances-Amsterdam-Anguilla-Bodrum-Burgenland-Papua-Neuguinea-Riga-Tegernsee_
Bonnes-Vacances-Agadir-Algarve-Bangkok-Dubai-Euboea-Istrien-Kappadokien__
Bonnes-Vacances-Dubai-Island-Kerala-Malediven-Mauritius-Minoan-Lines_